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GAWi Binnenschifffahrt 2005

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Zum inzwischen vierten Gesprächsabend Wirtschaft (GaWi) lud die FDP-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt am 2. November Unternehmer und Binnenschiffer nach Bernburg ein. In verschiedenen Vorträgen und in der anschließenden Diskussionsrunde forderten Vertreter der Binnenschifffahrt und regional ansässige Unternehmer die Wiederaufnahme der Strombaumaßnahmen an Elbe und Saale, wie es der Bundesverkehrswegeplan vorsieht.

Veit Wolpert, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, erläuterte in seiner Begrüßung vor etwa 70 anwesenden Unternehmern und Branchenvertretern die Zielstellung solcher Gesprächsabende. Man wolle eine Diskussionsplattform zwischen Unternehmern, interessanten Fachreferenten und Politikern schaffen, um sich über branchenspezifische Entwicklungen und Probleme zu informieren und dies möglichst in konkretes politisches Handeln umzusetzen.

Jörg Rusche, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutsche Binnenschifffahrt, hob vor dem Hintergrund steigender Transportkosten bei Schienen- und Straßentransporten die wachsende Bedeutung des Verkehrsträgers Wasserstraße hervor. Mit der Frachtschifffahrt würden bereits 90 Prozent der Verkehrsleistungen der Eisenbahn erbracht, bundesweit beschäftigten Binnenschifffahrt und Häfen 380.000 Menschen. Ein erhebliches Potenzial hätte dabei auch der Wassertourismus mit der „Weißen Flotte“.

Das Transportaufkommen steige in Größenordnungen. Im vergangenen Jahr wurden in deutschen Seehäfen zehn Millionen Container umgeschlagen, so Eberhard Hirsch, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Elbstromgebiets. Künftig rechne man mit 18 Millionen Containern. Wenn allein Hamburg nur fünf Prozent seiner Container mit dem Binnenschiff abfahre, wären das bis zu 500.000 Container jährlich, rechnet er vor. Dies entspreche etwa 200.000 LKW-Transporten. Bei verbesserter Befahrbarkeit von Sachsen-Anhalts Wasserstraßen könnten davon die Elbehäfen, die Saaleregion sowie der Leipziger Raum in erheblichem Umfang profitieren.

Verschiedene Potenzialuntersuchungen gehen unter der Voraussetzung verbesserter Schifffahrtsbedingungen von einem jährlichen Transportvolumen zwischen drei und fünf Millionen Tonnen auf der Elbe aus. Auf der Saale seien dies im Jahre 2010 rund 4 Millionen Tonnen, sagte Manfred Sprinzek, Präsident des Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt. Bereits jetzt haben eigene Untersuchungen unter Firmen der Saaleregion ein sofortiges Transportvolumen von 2,1 Millionen Tonnen pro Jahr ergeben.

Bestätigung erhielt er mit dieser Aussage von anwesenden Unternehmern. Uwe Müller, Werkleiter der Schwenk Zementwerke in Bernburg, schildert die derzeitige Situation. Per LKW würden 150.000 Tonnen jährlich zum Mittellandkanal nach Haldensleben gebracht und dort verschifft. Der LKW-Transfer mache dabei allein 40 Prozent der Gesamttransportkosten aus, die wiederum gut 25 Prozent der Gesamtproduktkosten einnehmen. Ein unhaltbarer Zustand, so Müller, wenn man bedenke, dass sich direkt vor der Haustür ein Fluss befinde. Peter Jebe, Geschäftsführer des SOLVAY – Werkes und Nachbar von Müller, hat ähnliche Probleme. Ein Test mit einem Frachtschiff ergab bei derzeitiger Saale-Befahrbarkeit eine maximale Beladung von 400 Tonnen, rentabel seien aber Transporte von etwa 1000 Tonnen pro Schiffsladung. Beide Werke würden allein jeweils 250.000 Tonnen jährlich auf die Saale bringen, wenn dies möglich wäre.

Dietmar Rehmann, Geschäftsführer der Deutschen Binnenreederei, sagte, dass von den etwa 7.500 km Wasserstraßen in Deutschland allein 2000 km in dieser Region konzentriert seien. Eine so hohe Dichte wäre in Deutschland einmalig. Sie für die Binnenschifffahrt zu erschließen, sei das Gebot der Stunde. Als wesentliche Maßnahmen nannte Rehmann die Wiederherstellung der Elbe mit einer durchgehenden Wassertiefe von mindestens 1,60 m an 345 Tagen im Jahr, die Realisierung des Saalekanals, den Erhalt der unteren Havel sowie die Schaffung der Voraussetzungen für einen mindestens zweilagigen Containerverkehr. Knackpunkt sei hier die nicht mehr genutzte Eisenbahnbrücke in Genthin mit einer Höhe von nur 4,11 m, die über den Elbe-Havel-Kanal führt.

Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP), ebenfalls unter den Gästen des Gesprächsabends, und FDP-Fraktionsvorsitzender Veit Wolpert versprachen den Binnenschiffern und Unternehmern die volle Unterstützung der Liberalen. Man werde sich besonders im Bund dafür einsetzen, dass notwendige Realisierungsplanungen wie zum Saalekanal sowie die Strombaumaßnahmen zügig vorangebracht und entsprechende Verfahren gestrafft werden.

Zum Abschluss gab es in bewährter Tradition reichlich Geschenke für die Vortragenden, überreicht durch den Fraktionsvorsitzenden.


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